„Manchmal muss ich die typische Bibliothekarin raushängen lassen.“

Madlen Büttner, Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste in der Bibliothek

Die Haare im Nacken zu einem Knoten gesteckt, eine Brille auf der Nase, unauffällige Kleidung. Und als typische Handbewegung ein Zeigefinger vor dem Mund, aus dem ein lautes „Psst!“, ertönt. So stellen sich manche die typische Bibliothekarin vor.

Madlen Büttner schmunzelt darüber. Mit T-Shirt, Jeansrock und kurzen rötlichen Haaren ist sie alles andere als ein Klischee. „Trotzdem muss ich manchmal die typische ‚psst-Bibliothekarin’ raushängen lassen.“ Dann nämlich, wenn Studierende sich in der gemütlichen Leseecke der Hochschulbibliothek wie zu Hause fühlen und die Lautstärke steigt.

Büttner arbeitet an einem besonderen Ort. Die Bibliothek ist rund um die Uhr geöffnet. „Ab und zu liegen morgens noch schlafende Studierende auf dem Sofa oder mit dem Kopf auf dem Arbeitsplatz. Wir lassen sie ausschlafen, sie werden automatisch wach, wenn der Tag in der Bibliothek beginnt“, meint Büttner gelassen.

Was treibt Studierende nachts zwischen die Bücher? „Weil es so ruhig ist, weil weniger Menschen in der Bibliothek sitzen und deshalb alle Angebote besser nutzbar sind. Oder weil man tagsüber einfach keine Zeit mehr hatte, in die Bibliothek zu gehen“, vermutet Büttner. Bibliotheken haben sich in den letzten Jahren immer mehr zu Lern- und Kommunikationsorten entwickelt. „Viele verabreden sich hier zum Lernen und haben so immer ‚Leidensgenossen’ um sich herum.“

Der Gesamtbestand der Bibliothek kann sich sehen lassen: 95.000 Buchbände, etwa 140.000 E-Books sowie 31.000 elektronische Zeitschriften. Und doch kommt es vor, dass das dringend benötigte Buch nicht da ist. Dann tritt Büttner in Aktion. Ihr Spezialgebiet ist die Fernleihe: Was nicht da ist, wird aus anderen Bibliotheken besorgt. „Das Arbeitsaufkommen passt sich dem Zyklus der Studierenden an“, berichtet sie. In der Prüfungszeit verschwindet Büttner hinter den Büchertürmen der bestellten Bücher. In den Semesterferien ist es etwas ruhiger.

Büttner geht in ihrer Arbeit auf, einen anderen Beruf kann sie sich nicht vorstellen. „Ich will meine Fernleihe nicht mehr hergeben“, davon ist sie überzeugt. In besonders kritischen Fällen, wenn Studierende ein Buch dringend brauchen, weil ein Abgabetermin oder eine Prüfung bevorsteht, setzt sie alle Hebel in Bewegung, um das Buch rechtzeitig in den Händen zu halten.

Die Freude am Buch wurde Büttner aber nicht in die Wiege gelegt. Als Schulkind war sie dem Lesen eher abgeneigt. „Erst als ich während meiner Ausbildung als Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste immer die Klappentexte der Bücher abtippen musste, habe ich gemerkt, welch faszinierende Welt sich durch das Lesen eröffnet“, erzählt sie. „Von da an bin ich oft in die andere Welt abgetaucht.“

Ursprünglich kommt sie aus Brandenburg, ist mittlerweile aber fest in Landshut verwurzelt und hat eine Familie gegründet. „Die Arbeit in der Bibliothek ist ideal, um Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren“, freut sich Büttner, die in Teilzeit arbeitet. Sie selbst liest Bücher am liebsten auf dem Handy. Als Mutter von zwei Kindern hat sie keine Zeit, sich zum Schmökern lange im Sessel zu vergraben. Stattdessen wird zwischendurch gelesen. Wenn sie ihre Kinder von der Schule abholt, nutzt sie die Wartezeit, um in die Welt der Geschichten abzutauchen. Das gedruckte Buch und Bibliotheken werden aber nie ganz verschwinden, ist sich Büttner sicher:  „Das schöne Gefühl, ein Buch aus Papier in der Hand zu halten, ist durch nichts zu ersetzen.“