„Die Abwechslung macht das Ganze spannend.“

Jutta Diesch, Vorzimmer Präsident

Als man ihr einen Platz als Sängerin in einer Band anbot, lehnte sie ab. Die Vernunft überwog bei Jutta Diesch, obwohl sie Musik liebt. Sie stammt aus einer bodenständigen Landwirtsfamilie. „Meine Familie konnte nichts damit anfangen, wenn ich Lieder von Whitney Houston sang“, schmunzelt sie heute.

In ihrem Job im Vorzimmer des Präsidenten singt sie zwar nicht, doch sie darf und muss trotzdem kreativ sein. Anfangs sogar mehr als erwartet: „Es hat mehr als zwei Jahre gedauert bis so etwas wie Routine aufkam“, blickt Diesch zurück. Denn kurz zuvor hatte auch der Präsident erst sein Amt angetreten. Sie haben gemeinsam neue Projekte und Veranstaltungen ins Leben gerufen und mussten sich beide an die neue Stelle gewöhnen.

„Die Abwechslung macht das Ganze spannend“, beschreibt sie ihre Tätigkeit. „Interessant ist besonders das, was nicht typisch Vorzimmer ist.“ Damit meint sie, Events wie die Absolventenfeier mit über tausend Gästen, das Unternehmergespräch zu organisieren, oder die Auslandsreisen des Chefs im Auge zu behalten. Es geht turbulent zu. Die Bildungsministerin hat sich kurzfristig angekündigt, daher müssen andere Termine verschoben werden. „Dass der Kalender auf den Kopf gestellt wird, ist nichts Außergewöhnliches“, meint Diesch gelassen.

Wenn sich zwischendurch kurze Zeitfenster auftun, klärt sie offene Fragen – mal geht es um Details für ein Catering, mal um Anfragen von Studierenden und Dozierenden. Denn Mitarbeiter wenden sich oft zuerst an sie, wenn sie zum Präsidenten wollen. Für die dynamische Frau mit dem Kurzhaarschnitt kein Problem, sie kommt mühelos und gerne mit Menschen in Kontakt. „Manche wollen direkt durchstarten ins Büro des Präsidenten, andere haben eine gewisse Scheu und bleiben in der Tür stehen.“ Dann lächelt sie über den Tresen in ihrem Büro und weiß genau, was sie sagen muss. „Mein Job ist eben auch, die Leute dort abzuholen, wo sie gerade stehen.“

In ihrem Büro hängen Bilder an der Wand und ein Landshuter Buchskranzerl am Tresen, obwohl Jutta Diesch aus der Eifel kommt. Aus ihrer Heimat hat sie die Mischung aus typisch rheinischer Gelassenheit und Frohnatur – und ihren Drang ins Freie: „Mir fehlt was, wenn ich nicht täglich an die frische Luft komme“, meint sie. „Ich brauche Freilauf wie ein glückliches Huhn“, lacht sie. „Die Jahreszeiten erlebt man einfach nur draußen und nicht von drinnen durchs Fenster.“ Sie radelt am liebsten zur Arbeit und genießt den Weg durch die Isarauen über knirschenden Kies im Sommer oder raschelnde Blätter im Herbst. Auf dem Weg ins Büro grüßt sie die Kolleginnen und Kollegen, die ihr entgegenkommen, mit Namen. „Hätte ich nicht so viel mit Menschen zu tun und würde nur Akten bearbeiten, dann würde ich eingehen wie ein Mauerblümchen.“