„Ich versuche immer, noch ein bisschen mehr rauszuholen.“

Jonas Köck, Mitarbeiter im Projekt Digitales-Studieren.Bayern

Ab und zu ist Jonas Köck Visagist: Im Videostudio tupft er Professorinnen und Professoren Puder auf Nase und Stirn, damit die Haut im Scheinwerferlicht nicht glänzt. Die Prozedur gehört dazu, wenn Köck Lehrvideos für die Hochschule aufnimmt. Im Studio stehen die Dozierenden vor einem Greenscreen und erklären der Kamera Ingenieurmathematik oder Produktmanagement. Die Lehrvideos sind ein wichtiger Bestandteil im Projekt Digitales-Studieren.Bayern – Jonas Köck hat die technische Seite des Projekts von Anfang an mit konzipiert und aufgebaut. Zum Beispiel hat er das Videostudio eingerichtet. Dort entsteht der Großteil der Inhalte des berufsbegleitenden Studiengangs „Wirtschaftsingenieurwesen Energie und Logistik“: Die Videos werden im Voraus produziert, die Studierenden sehen sich die Inhalte abends und am Wochenende an ihren Laptops online an und machen Übungen dazu.

Dienst nach Vorschrift gibt es bei Jonas Köck nicht. Einmal hat er sich eine Nacht um die Ohren geschlagen, um im Hörsaal einen Fehler in der Beamertechnik zu beheben. „Ich versuche immer, das Maximum rauszuholen, damit das Ergebnis wirklich gut wird“, meint er. Zum Beispiel sorgt er bei den Lehrvideos dafür, dass sich die Dozierenden vor der Kamera wohlfühlen: „Sie müssen sich ja erst einmal daran gewöhnen, dass ihnen drei Scheinwerfer ins Gesicht leuchten und sie von einem Teleprompter ablesen“, erklärt er. Nur dann kann Köck ein gutes Video schneiden, mit dem er zufrieden ist. Das ist mit seinem hohen Anspruch nicht immer einfach: „Es geht ja bei Lehrvideos darum, etwas zu visualisieren. Aber gerade das Grundstudium besteht eher aus theoretischen Fächern“, sagt der Filmprofi. Ab und an setzt er auch andere Projekte in Bewegtbild um, beispielsweise hat er Studierende dabei unterstützt, ein Videolexikon zur Gebärdensprache zu produzieren.

Köck übernimmt für die Videos nicht nur Regie, Kamera und Schnitt, sondern oft auch die Maske: „Wenn ich Menschen für die Kamera schminke, rücke ich ihnen schon recht auf die Pelle. Dabei übertritt man diese persönliche Grenze, die jeder Mensch hat. Manche macht das ein bisschen nervös“, erzählt er grinsend. Er selbst kennt diese besondere Nähe zu den Menschen vor seiner Kamera aus seiner freiberuflichen Arbeit als Filmemacher und Regisseur. „Wenn man Regie macht, kommt man seinen Darstellern oft sehr nah, emotional als auch körperlich. Manchmal ist eine Einstellung dicht am Gesicht. Oder man schlüpft selbst kurz in die Rolle des Schauspielers, wenn es um eine ganz bestimmte Emotion geht, die man zeigen will.“ In seinen Filmen erzählt er am liebsten die Geschichten von interessanten und inspirierenden Menschen. Zum Beispiel im Abschlussprojekt seines Studiums: In dem Dokudrama „Die Wilderin“ erzählt Jonas Köck die Lebensgeschichte einer energischen Frau, die in den Zillertaler Alpen vor über hundert Jahren um ihr Überleben kämpfte und gegen Ungerechtigkeit und adelige Grundbesitzer rebellierte.

Der Regisseur sucht nach Geschichten, die es wert sind, erzählt zu werden – und die etwas in den Köpfen der Zuschauer bewegen. „Ich will nicht einfach nur da sein, sondern die Welt besser hinterlassen. Das versuche ich mit meinen Filmen“, erklärt Köck. Das sagt er ohne Pathos, aber mit Überzeugung. „Ich mache mir eigentlich ständig Gedanken um die Welt und um das Leben. Und es gibt zwei Möglichkeiten, die ständig kreisenden Gedanken zur Seite zu schieben. Entweder Zocken, aber das mache ich so gut wie nicht mehr. Oder Sport, am liebsten draußen in der Natur.“