„Der Wald ist mein neues Labor.“

Johann Gillhuber, Ehemaliger Elektromeister an der Fakultät Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen

Brösl heißt er. Mit dunklen Augen schaut er energisch vom Bildschirm. Auf dem Desktop von Johann Gillhubers Computer leuchtete der freundliche Jagdhund und zeigt ganz klar, wo die persönliche Leidenschaft seines Herrchens liegt. „Brösl ist ein treuer Begleiter, der mir bei der Jagd hilft“, sagt der passionierte Jäger, der selbst einen mehrere Fußballfelder großen Wald besitzt.

Mehr als 26 Jahren arbeitete Gillhuber an der Hochschule als Elektromeister in der Fakultät Elektrotechnik und Wirtschaftsingenieurwesen. 1991, als die Hochschule noch in den Kinderschuhen steckte, half er mit, die technischen Labore der Fakultät zu planen, Geräte zu beschaffen und die leeren Räume so auszustatten, dass Studierende dort lernen können.

Der quirlige Mann in Jeans strahlt Tatkraft aus – auch wenn ihn jetzt der Ruhestand eingeholt hat. „Meine Arbeit hat mir auch nach so vielen Jahren immer noch jede Menge Spaß gemacht“, erklärt er. Sein „Baby“, das Labor für elektronische Hybridschaltungen, ist mit Abstand das komplexeste Labor der Fakultät. Dort hat er seine Jeans schon mal gegen einen Ganzkörperoverall getauscht und sich eine weiße Haube aufgesetzt. Denn das Labor ist ein Reinraum: Die Bauteile und Geräte müssen selbst vor kleinsten Verunreinigungen geschützt werden. Dort erklärte er Studierenden, wie Trägerplatten aus Keramik hergestellt werden. Diese werden anschließend in einem Lötraum mit winzigen elektronischen Bauteilen bestückt. Die Platinen bilden später das Herzstück eines technischen Geräts.

Mit einem ehemaligen Professor der Hochschule bildete Gillhuber viele Jahre lang ein Dream-Team. Dieser zog interessante Forschungsprojekte an Land und lieferte Ideen, die der Elektrospezialist Gillhuber umsetzte. „Ein von uns für das Max-Planck-Institut hergestelltes Bauteil umrundet heute noch die Erde“, schmunzelt er. Celias heißt das Hybridmodul, das für eine NASA-Mission entwickelt wurde. Das Bauteil aus Landshut umkreist in der Raumsonde SOHO derzeit die Erde in einer Entfernung von rund 1,5 Millionen Kilometern und hilft, die Sonne zu erforschen.

Die Fakultät profitiert auch jetzt noch von Gillhubers immensem Wissen und seiner Hilfsbereitschaft. Bei ihm ging es oft zu wie in einem Taubenschlag: Manchmal ging die Tür auf und ein Kollege wollte wissen, wie er eine Platine reparieren kann. Gillhuber gab ihm Auskunft und stöberte in einem großen Schrank nach dem passenden Bauteil. Hunderte von elektronischen Bauelementen, von denen manche nur mit der Lupe sichtbar sind, sind hier untergebracht. Vieles in Gillhubers Kopf ist richtiges Insiderwissen. „Ich habe schon lange dafür gesorgt, meine Kenntnisse an die jungen Kollegen weiterzugeben“, meint er. Dennoch ist eine Lücke im Team entstanden, als er ging. Denn nicht nur seine Erfahrung fehlt den Kollegen. Sondern auch ihre Anlaufstelle, wo die Fäden aller technischen Mitarbeiter der Hochschule zusammenlaufen.

Nach so vielen Jahren an der Hochschule genießt Gillhuber jetzt seinen Ruhestand und sein Hobby, die Jagd. Auch der Hof und der angrenzende Wald halten ihn auf Trab: „Der Wald ist mein neues Labor.“ Denn der ist für ihn nicht zum Spazierengehen, sondern vor allem zum Arbeiten da.