„Ich empfehle jedem Start-up: Spezialisiere dich.“

Hans Zehetmaier, Alumnus und Vorstandsvorsitzender der msg systems ag

Ein Praktikum entfachte seine Leidenschaft zur Informatik – heute ist Hans Zehetmaier eine der deutschen IT-Persönlichkeiten. Seinen Weg begann er an der Hochschule Landshut, wo Zehetmaier Betriebswirtschaft studierte. Ein Jahr nach seinem Abschluss gründete er gemeinsam mit Freunden, die er im Informatik-Praktikum kennengelernt hat, die msg Software GmbH – heute die msg systems ag. Das Unternehmen entwickelt IT-Lösungen, beispielsweise Software und Apps – für verschiedenste Branchen von Versicherungen bis zu Energie und Logistik.

„Ich habe mich ganz bewusst für das Studium in Landshut entschieden“, erzählt Zehetmaier. „Die Hochschule war klein, sehr persönlich. Es hat mich einfach nicht so in die Welt hinausgetrieben.“ Mittlerweile ist der gebürtige Erdinger viel unterwegs: Zehetmaier verbringt die Hälfte seiner Arbeitszeit auf Reisen, besucht unter anderem Niederlassungen, die in 25 Ländern auf der ganzen Welt verstreut liegen. Doch immer wenn er zuhause ist, genießt er seine bayerische Heimat in vollen Zügen. Die Wochenenden hält er sich nach Möglichkeit frei. Dann saust er am liebsten mit dem Rennrad durch die Gegend: „Meine Lieblingsstrecke ist Richtung Niederbayern an den Stauseen entlang. Die 35-Kilometer-Runde fahre ich so gut wie jedes Wochenende. Oft mit Freunden, aber auch gerne mal alleine.“

Auch im Job gibt er nach knapp 40 Jahren immer noch Gas. Aus dem Drei-Mann-Start-up entwickelte sich ein Weltunternehmen mit 7.000 Mitarbeitern. Dass der Betrieb einmal so wachsen würde, hat Zehetmaier nicht erwartet, wenn auch gehofft. Das Erfolgsrezept? „Wir haben damit begonnen, IT für Rückversicherer anzubieten. Damals gab es weltweit nur eine Handvoll davon“, sagt Zehetmaier. „Das würde ich auch jedem Startup raten: Spezialisiere dich und such dir eine kleine Nische, wo sich die großen Konkurrenten nicht tummeln.“

Auch Zehetmaiers Rolle im Unternehmen veränderte sich. Am Anfang programmierte er noch selbst, heute bleibt ihm dafür keine Zeit mehr – obwohl es ihn noch manchmal in den Fingern juckt. „Uns ist aber immer noch wichtig, dass jeder Mitarbeiter gleich und gleichwertig gesehen wird. Das beginnt beim Vorstand und hört beim Hausmeister auf“, erklärt Zehetmaier. Auch der Firmenhauptsitz in Ismaning soll Offenheit und Ehrlichkeit widerspiegeln: viel Glas, offene Räume. Auch eine Wand von Zehetmaiers Büro ist verglast und die Tür meistens offen – außer wenn es strategische Themen per Telefon zu klären gilt, beispielsweise in welche Richtung sich msg weiterentwickeln soll. Dafür muss er die Trends auf dem Markt und speziell die Konkurrenten und Kundenwünsche im Blick behalten. „Früher waren eher Insellösungen gefragt“, erinnert er sich, „jetzt gibt es viele neue Technologien wie das Internet of Things, alles wird vernetzt. Die Ansprüche an unsere Produkte verändern sich.“ Zehetmaier glaubt, dass das noch lange nicht vorbei ist: „Die Wirtschaft wird sich weiterhin stark digitalisieren.“ In der digitalisierten Zukunft wird vielleicht einer seiner Söhne seinen Posten übernehmen. Dann könnte sich Zehetmaier vielleicht doch noch von Bayern entwurzeln: „Meine Wahlheimat wäre das Engadin in der Schweiz.“