„Wir müssen uns gegenseitig besser verstehen lernen.“

Dr. Nina Galushko-Jäckel, Fakultätsreferentin Interdisziplinäre Studien

In den großen Augen von Nina Galushko-Jäckel blitzt der Tatendrang: „Ich arbeite einfach gerne. Es macht mir viel Spaß, unterschiedliche Dinge zu bearbeiten und mit Menschen zu kommunizieren.“ Wenn sie spricht, schwingt ein leichter osteuropäischer Akzent mit und verrät, dass sie gebürtig aus der Ukraine stammt. Dort hat sie Musik und Grundschullehramt studiert und als Lehrerin gearbeitet. Jetzt kümmert sie sich als Referentin in der Fakultät Interdisziplinäre Studien um Verwaltung, organisiert Veranstaltungen oder schreibt Prüfungsordnungen. Einmal wurde sie gefragt, ob sie mit ihrem Doktortitel nicht lieber eine andere, höhere Arbeitsstelle suchen wolle. „Solche Fragen verstehe ich nicht. Das hat doch nichts mit dem Titel zu tun. Meine Arbeit, und jede andere Arbeit, ist wichtig und davor sollte man immer Respekt haben“, sagt sie.

„Ich bin interdisziplinär. Ich lebe zwei Kulturen, zwei Sprachen.“ Vor 20 Jahren ist Nina Galushko-Jäckel nach Deutschland gekommen und hat mittlerweile auch ihren ukrainischen Pass gegen den deutschen getauscht. Dabei war der Start im neuen Land alles andere als einfach. „Ich fiel plötzlich ins Nirgendwo. Mein Studium und meine Arbeit wurden hier nicht anerkannt. Und auf dem Arbeitsamt hat man mir gesagt: Sie können vielleicht putzen gehen“, erzählt sie.

Anstatt zu resignieren ist die blonde Frau lieber durchgestartet. Galushko-Jäckel hat Sprachkurse belegt, sich selbst mit ihrer kleinen Tochter deutsche Bücher vorgelesen, dann noch einmal studiert: Musik, Soziologie und Psychologie. „Ich liebe es, Violine zu spielen“, erzählt sie. Diese Leidenschaft teilt sie auch im Orchester der Hochschulgemeinde.

Im Anschluss an das zweite Studium hat sie promoviert und nebenbei noch eine Weiterbildung in Betriebswirtschaft absolviert. Warum so viele unterschiedliche Sachen? Sie zuckt mit den Schultern und meint: „Ich wollte einfach noch etwas anderes kennenlernen.“ Sich nur auf ein Fachgebiet einzugrenzen war ihr zu einseitig. Genau deswegen ist ihr wichtig, interdisziplinär zu denken. Als Fakultätsreferentin arbeitet sie auch eng mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fakultäten zusammen. Denn die beiden Studiengänge Gebärdensprachdolmetschen und Ingenieurpädagogik haben kaum Berührungspunkte miteinander – dafür mit den technischen und sozialen Nachbarfakultäten.

„Wir müssen uns gegenseitig besser verstehen lernen. Viele Studiengänge und Berufe haben sich in letzter Zeit stark spezialisiert. Es wird Zeit, auch langsam wieder zueinander zu finden. Das ist für mich die Zukunft der Wissenschaft und der Zusammenarbeit allgemein.“