„Das Leben spielt sich nicht nur an der Oberfläche ab.“

Dr. Alfons Hämmerl, Katholischer Hochschulseelsorger

Ob Menschen explizit an Gott glauben, findet Alfons Hämmerl zweitrangig: „Wenn jemand sein Leben ernst nimmt, dann ist er von sich aus dem auf der Spur, wonach im Grunde jede Religion sucht.“ Mit ernst nehmen meint er zum Beispiel, ehrlich zu sich selbst und anderen zu sein, „zu realisieren, dass sich das Leben nicht an der Oberfläche abspielt.“ Und manchmal muss man die verborgenen Facetten und Talente, die unter dieser Oberfläche liegen, einfach herauskitzeln. Dazu bietet Hämmerl den Studierenden und Mitarbeitern der Hochschule eine Plattform – beispielsweise in Form der Langen Nacht der Kultur, die er jedes Jahr organisiert. Dort werden Hörsäle zu Bühnen und darauf zeigen Menschen, was  künstlerisch in ihnen steckt. „Die Leute kommen so aus ihren Schubladen heraus“, freut sich Hämmerl. Er selbst spielt Geige, unter anderem im Orchester der Hochschulgemeinde (HSG). Für ihn ist Musik auch Kommunikation: „In einem Streichquartett zum Beispiel muss jeder permanent auf den anderen hören und positiv auf ihn reagieren. Nur so funktioniert das Stück.“

Diese Regel, das Gegenüber wahrzunehmen und auf ihn oder sie zu reagieren, „das gilt eigentlich für jede Beziehung“, findet Hämmerl – und zwar zwischen Partnern genauso wie in professionellen, seelsorgerlichen Beziehungen. Als katholischer Hochschulseelsorger ist der Theologe Ansprechpartner für Mitarbeiter und Studierende bei allen möglichen Fragen und Problemen. „Das bringt mich immer an meine eigenen Grenzen, auch wenn es keine dramatische Geschichte ist. Es ist schwierig zu akzeptieren, dass ich erst einmal nicht ändern kann, was den anderen plagt.“ Er versucht dann so gut er kann, den Menschen dabei zu helfen, selbst wieder auf die Beine zu kommen. „Dazu gehört auch, sich wieder zurückzuziehen, wenn der oder die andere keine Hilfe mehr braucht. Und das ist gar nicht so leicht, wenn man so nah dran war.“

Grenzen zu erkennen und abzuschätzen, ob und wann man sie überschreiten darf, gehört zu Hämmerls alltäglicher Arbeit. Denn missionieren möchte er auf keinen Fall: „Ich will kein Theologe sein, der so tut, als wisse er über die Ewigkeit oder über das Leben einfach Bescheid“, sagt er. Das gilt auch in seiner Rolle als Dozent: Er lehrt Wirtschaftsethik und führt Studierende im Studium Generale in die Theologie ein. Im Hörsaal ist immer Platz für Diskussion, denn „Ethik ist ja die Frage nach dem guten Leben. Und das hat eine starke subjektive Komponente.“

Wichtig ist für ihn allerdings, dass man sich für das einsetzt, was man für richtig hält – zum Beispiel für mehr gesellschaftspolitisches Engagement. Das versucht Hämmerl gemeinsam mit der HSG, studentischen Vereinen und der Studierendenvertretung durch die „Initiative Gegenkraft“. Jedes Semester organisieren die Mitglieder ein Event, das sich gegen Rassismus und Ausgrenzung stellt oder mehr Bewusstsein für das weltweite politische Geschehen schafft.

Alfons Hämmerl ist Seelsorger, Organisator, Dozent – und außerhalb der Hochschule auch noch Vater, Ehemann, Opa und leidenschaftlicher Liegerad-Fahrer. „Das Schöne am Sport generell ist, dass einen dabei die eigene Kraft vorwärts bringt. Das ist im Leben nicht immer so.“